Die Kunst (oder das Handwerk) effektiven Legal Business Partnerings

Wenn man die Organigramme mittlerer und großer Unternehmen ansieht, taucht früher oder später unweigerlich die Bezeichnung "Business Partner" auf. Jede Abteilung oder Funktion hat einen “IT Business Partner”, “HR Business Partner” oder “Finance Business Partner” ... aber haben Sie schon einmal von einem “Legal Business Partner” gelesen?

Ein strategischer “Business Partner” werden

"Business Partnering" ist "die Anwendung von funktionalem Fachwissen in einem Bereich der Organisation (oft Finanzen), um die Entscheidungsfindung in den Geschäftseinheiten der gesamten Organisation zu optimieren. Effektives Business Partnering kann die Geschwindigkeit und Qualität von Entscheidungen verbessern, was sich auf die Leistungsfähigkeit des Unternehmens auswirkt und letztlich den Unternehmenswert steigert." (übersetzt aus dem Englischen) Gartner

Wenn die IT-, die Personal- oder die Finanzabteilung diese Wertbeiträge zur Formulierung und Umsetzung der Gesamtstrategie eines Unternehmens leisten können, warum dann nicht auch die Rechtsabteilung?

... Liegt es an der internen Wahrnehmung von Kollegen und Management, dass die Rechtsabteilung keinen Beitrag leistet, sondern als notorischer Neinsager dem Abschluss von Geschäften im Wege steht?

... Ein “Cost Centre”, das immer den sichersten Weg wählt?

... Oder fehlen der Rechtsabteilung einfach die Instrumente, Techniken und das Selbstvertrauen, um eine strategischere Rolle zu übernehmen?

Dies ist ein Plädoyer für Legal Business Partnering als eine Möglichkeit, die Rechtsabteilung strategisch als einen zentralen “Enabler” des Unternehmens zu positionieren. Auf diese Weise wird dem insgesamt zunehmenden Kostendruck auf alle Unternehmensfunktionen, der auch vor der Rechtsabteilung nicht halt macht, vorgebeugt. Durch die Bereitstellung eines klaren und nachhaltigen Wertbeitrages ist die Rechtsabteilung in einer guten Position, um Art und Richtung des (unvermeidbaren) Wandels proaktiv zu bestimmen.

Was sind die Merkmale eines guten Legal Business Partnering?

  • Erleichtern Sie die Zusammenarbeit, wo und wann immer es nötig ist. Bieten Sie den Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, ihre rechtlichen Anfragen in einfachem Deutsch und keinem “Legalese” zu übermitteln, ohne dass sie als Rechtsabteilung auf ihre eigenen Informationsbedürfnisse verzichten müssen. Selbstbedienungsangebote zusätzlich zur persönlichen Beratung sind von großem Nutzen und tragen zur Agilität des Unternehmens bei.
  • Seien Sie ein vertrauenswürdiger, aber kritischer Berater, der das Wort ergreift, Herausforderungen formuliert und dem Unternehmen einen Spiegel vorhält. Dies kann bedeuten, dass Sie Probleme wie unbeabsichtigte Folgen einer neuen Geschäftspraxis oder die Eskalation versteckter Kosten zwecks Einhaltung von Rechtsvorschriften erkennen und klar ansprechen.
  • Einflussnahme, Beziehungen und Kommunikation als strategische Fähigkeiten werden Ihnen helfen, wichtige strategische Botschaften zu vermitteln, sowie eine Diskussion in Gang zu bringen. Treten Sie ins Rampenlicht und übernehmen Sie die Rolle des Moderators, Vermittlers oder Ideengebers, um die Tagesordnung festzulegen oder ein Projekt auf Kurs zu halten. Fähigkeiten im Projektmanagement sind dabei sehr hilfreich.
  • Beharrlichkeit. Entscheidungen und Annahmen in Frage zu stellen, wird von anderen vielleicht zunächst nicht gern gesehen. Die Kollegen aus anderen Funktionen werden jedoch mit der Zeit die umfassenderen und längerfristigen Auswirkungen einer oder anderen Initiative der Rechtsabteilung verstehen.
  • Verstehen Sie Ihr Unternehmen. Setzen Sie sich häufig mit anderen Geschäftsbereichen in Verbindung, um sich in die aktuellen Ziele, Herausforderungen und Entwicklungen des Unternehmens hineindenken zu können. Erstellen Sie einen “rechtlichen Radarschirm” in Bezug auf diese Erkenntnisse und leisten somit einen proaktiven Beitrag zur Geschäftsstrategie.
  • Die Fähigkeit, die Gesetze und Vorschriften zu "übersetzen". Wie beeinflusst das Gesetz den Ablauf und die Dokumentation von Geschäftsprozessen und welche Risiken und Chancen sind mit den einzelnen Prozessschritten verbunden? Übersetzen Sie die "Juristensprache" in geschäftliche Begriffe: was kann, muss und sollte aus Sicht des Unternehmens getan werden. Die Einhaltung von Rechtsvorschriften kann leicht zu einem Wettbewerbsvorteil werden, der die Messlatte für Konkurrenten höher legt und in den Augen der Kunden ein überlegenes Angebot schafft.

Der nächste Schritt

Wenn Sie den bisherigen Überlegungen zustimmen konnten, stellt sich Ihnen nun sicher die Frage: Wie geht es weiter? Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass man zunächst eine Basis schaffen muss, indem man den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bereichen zuhört. Hinweise und Erkenntnisse zur Wahrnehmung Ihrer Rechtsberatung, die in einem strukturierten Prozess erfasst werden, bieten einen soliden Maßstab und eine Grundlage für die Ermittlung der dringendsten Probleme aus der Sicht der “internen Mandantinnen und Mandanten”. Darüber hinaus trägt es wesentlich dazu bei, die Erwartungen innerhalb der Rechtsabteilung und unter den Kolleginnen und Kollegen anderer Abteilungen zu definieren, welche Themen vorrangig unterstützt werden sollten und welche nicht.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Entwicklung eines effektiven “Legal Business Partnering”-Ansatzes gemacht? Melden Sie sich und teilen Ihre Einblicke mit uns!

Diesen Post teilen
Share on facebook
Share on linkedin
Share on twitter
Share on email

Weitere News

smartvokat berät Bayer zu Legal, Compliance und Datenschutz Workflow-Plattform

Auf der Grundlage von ServiceNow™ wurden bereits mehr als 20 wichtige Prozesse in mehr als 90 Ländern weltweit grundlegend verbessern. Workflow-Automatisierung und Self-Service zur Bewältigung wiederholbarer Aufgaben, die Festlegung von Prozess-SLAs und die Einrichtung regionaler Zentren sind nur einige Aspekte dieser Transformation.